Mit einigen kräftigen Schlägen zapfte Bürgermeisterin Sonja Leidemann das erste Fass an und verteilte dann das Freibier. Foto: Bastian Haumann

WAZ. Na also, geht doch. Pünktlich zum Start des Zwiebel-Umzug machte der Himmel die Schleusen dicht. „Manchmal hilft eben doch ein Stoßgebet“, seufzt Dagmar Bonner von der Schausteller-Vereinigung, kurz bevor die Wagen sich an der Herbeder Straße in Bewegung setzen. Da trägt sie noch den Plastik-Umhang gegen den Regen – sicher ist sicher.

„So ein Wetter kennen wir hier gar nicht“, stöhnt auch Ulla Heinrichs. Genieselt hat es wohl mal, aber so ein Wolkenbruch vor dem Start – „nein, den hatten wir in all den Jahren noch nie“. Sie muss es wissen: Vor 14 Jahren hat sie den Umzug zusammen mit Gudrun Dönhoff ins Leben gerufen.

An die Kirmes-Prozession aus dem Mittelalter wollten sie anknüpfen, an Tradition und Zwiebel erinnern, nicht an den Karneval. Klein und bescheiden waren damals die Anfänge. Am Freitag reihten sich nun aber rund 40 toll geschmückte Wagen und bunte Fußgruppen auf – ein paar hundert Leute machen sich auf den Weg. Die beiden Frauen strahlen: „Das macht uns schon stolz.“

Vorneweg fährt die Bürgermeisterin. Nicht in der Kutsche, sondern im Planwagen mit Trecker. Das Pferd ist krank geworden, so kann’s gehen. Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Zusammen mit Zwiebelkönigin Lilly sitzt Sonja Leidemann – diesmal in Pink-Schwarz und mit einem kecken Hütchen auf dem Kopf – vorn auf dem Bock und verteilt Bonbons an die Besucher, die sich nun doch auf die Straße getraut haben: Nach und nach wird es immer voller am Straßenrand.

Erste Musikgruppe ist die Bläserklasse 6e der Holzkamp-Gesamtschule. „Wochenlang haben wir unsere fünf Lieder geübt“, erzählt Olivia ganz aufgeregt. „Total stolz“ seien sie, dass sie den Zug anführen dürfen. „Eine ganz große Ehre.“

Dann kommt auch schon der erste Mottowagen mit dem altbekannten Rathausturm. Von Tüll ist er diesmal verhängt, ein riesiges Playmobil-Männchen arbeitet an der Mischmaschine. Auch die Lebenshilfe war wieder fleißig: Diesmal hat sie den Bommeraner Wasserturm wunderhübsch nachgebaut. Aber auch ihr Modell vom letzten Jahr, das Berger-Denkmal, fährt am Ende noch mal mit. „Helenenturm“, nennt es die Bürgermeisterin von der Bühne fälschlicherweise. „Mann, das weiß doch jeder, was das ist“, frotzelt ein Zuhörer. Aber in der Aufregung...

Der Stimmung tut das eh keinen Abbruch: Die etwas düster wirkenden Hunnen, die für ihr Lager im Mai werben, tanzen mit den Trommel-Truppen, die Polizisten am Wegesrand freuen sich über die Rös­chen, die sie bekommen und die Kinder können händeweise Bonbons einsammeln. „Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, dabei zu sein“, sagt Papa Noël, der Söhnchen Noah auf den Schultern trägt. Der Wittener freut sich immer wieder, den Umzug zu sehen – auch wenn der nicht so prächtig wie der Karneval in Köln ist: „Es ist einfach toll, was Witten daauf die Beine stellt.“

Das finden auch die Gäste aus den Partnerstädten, die zur Zwiebelkirmes angereist sind. Der Bürgermeister von Bitterfeld, Armin Schenk, meint, die Stadt könne „richtig stolz“ sein, so einen Umzug hätte er auch gerne. Und auch der Bürgermeister von Mekele, Daniel Assefa, strahlt: Nein, so toll habe er sich das nicht vorgestellt – die Stimmung, die Wagen, die Leute. „Und der Zwiebelkuchen schmeckt auch super.“

WAZ-Bericht von Britta Bingmann

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