Ihr neues Plakat zeigen die Aktiven des Partnerschaftsvereins und des IKBZ: (v.li.).: Klaus Lohmann, Katharina Ellers-Kaczmarek, Walter Sander, Erich Bremm, Nana Shanara, Jannis Saelzer und Lilo Frigge-Dümpelmann. Foto: Fischer

WAZ. Der Partnerschaftsverein wird 30 und stellt sich neu auf: mit einem Jugendbeirat und einem Flohmarkt gemeinsam mit dem „Fest der Erde“.

Der Austausch mit Menschen aus anderen Ländern ist gerade in Zeiten des wachsenden Nationalismus wichtiger denn je. Doch das Engagement in Städtepartnerschaften nimmt eher ab. Nach 30 Jahren seines Bestehens stellt sich der Partnerschaftsverein Witten neu auf; verstärkt sich durch einen Jugendbeirat nebst Facebookseite und organisiert den Flohmarkt neu.

Erich Bremm, der langjährige Vorsitzende des 1987 gegründeten Vereins, kann über die letzten Jahrzehnte vieles erzählen: von 35 Radtouren, Freundschaftsessen, das „Fest 113“ mit Gästen aus den 113 Nationen, die in Witten leben (mittlerweile sind es übrigens 114 Nationen). Es gab Hilfskonvois nach Kursk und Tczew. Viele hundert Waisenkinder aus Russland und Polen verbrachten ihre Ferien bei Wittener Gastfamilien.

Herzstück ist der Partnerschaftsfonds, aus dem Klassen- oder Vereinsfahrten nach Beauvais, Barking & Dagenham, Mallnitz oder in andere Partnerstädte teilweise bezahlt werden. In ihn zahlen Sponsoren (wie Sparkasse, Stadtwerke, Wohnungsgenossenschaft oder Ostermann) ein. Zudem erwirtschaftet der Verein Geld über den Partnerschaftsflohmarkt, der seit 1999 auf dem Ostermann-Parkplatz stattfindet. Neben Vereinen und Schulen trödeln dort kommerzielle Händler, deren Standmiete in den Fonds geht. Doch: Der Erlös nimmt stetig ab.

Nun schließen sich für diese Veranstaltung der Partnerschaftsverein mit dem Verein IKBZ Witten (Internationales Kultur- und Begegnungszentrum) zusammen. Die Gruppe um Nana Shavana und Walter Sander veranstaltet seit 2014 das „Fest der Erde“, zuletzt vor der Stadtgalerie. „Wir hatten viele Zuschauer. Aber das sind Leute, die nach dem Einkaufen kurz stehenbleiben“, sagt Sander. Für die Musik oder Tänze interessierten sie sich nur nebenbei.

Nun könnten beide Vereine voneinander profitieren. Am Sonntag, 18. Juni, wird getrödelt. Neu ist, dass Kinder bis 15 Jahre auch teilnehmen können – ohne Anmeldung dürfen sie einfach eine Decke ausbreiten und ausrangierte Spielsachen verkaufen. Zudem gibt es einen gastronomischen Bereich. Dort werden Spezialitäten der nach Witten zugewanderten Gruppen angeboten – syrisches, georgisches, albanisches Essen neben Burger oder Hüttensuppe.

Auch Jannis Saelzer (25) und Katharina Ellers-Kaczmarek (22) werden das Fest mitorganisieren. Sie sind zwei von zehn jungen Mitgliedern des Vereins, die zurzeit ein „Partnerschaftsnetwork“ aufbauen. Dieser Jugendbeirat will regelmäßig Jugendcamps organisieren. „Wir glauben, erst wenn man so ein Camp mitgemacht hat, also den Austausch aktiv gespürt hat, interessiert man sich für Städtepartnerschaften“, sagt Katharina. In dem Beirat kann jeder mitmachen – eine Vereinsmitgliedschaft halte junge Leute eher ab. Kommuniziert wird viel über Facebook. Das Ziel aber ist dasselbe – die Verständigung zwischen den Nationen zu fördern. So formuliert es auch Sonja Leidemann, seit kurzem Vorsitzende des Partnerschaftsvereins: „Über Städtepartnerschaften lernt man Menschen einfach besser kennen als im Urlaub.“

„Fest der Erde“ und Partnerschaftsvereins-Trödel: 18. Juni, 11 bis 18 Uhr, bei Ostermann. Tanz und Gesang aus Brasilien, Russland, Bosnien, Iran, Syrien, Griechenland, Türkei, Georgien.

WAZ-Bericht

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